Freitag, 7. August 2015

'71 RS: Tankeschön & Anfahren im vierten Gang

Lange habe meine Aktivitäten an Elfi geruht. Der Grund lag in meiner Frustartion über den Tank. Dieser verfügt zwar über ein wunderbare Optik: Fast beulenfrei mit leicht patinierten, aber durchaus ansehnlichem Chrom, andereseits aber über einen für einen Kraftstoffbehälter nicht zu tolerierenden Hang zur Inkontinenz. Mit anderen Worten: Das Ding ist, bedingt durch innere Korrosion, löchrig wie ein Sieb.

Schön und undicht: Der Originaltank

Nach mehreren Abdichtungsdurchgängen mittels Epoxidharz, tun sich immer wieder neue winzige Löcher auf. Nachdem meine Lust am Schrauben durch den gelungenen Schwingenlagertausch an meiner 65er Eiertank wieder erwacht war, habe ich Elfi nun wieder in Angriff genommen. Bei ebay-kleinanzeigen habe ich einen zwar eher unschönen, dafür aber dichten Tank gefunden, und das auch noch zum Schnäppchenpreis.

Beulig aber dicht: Der "Reservetank"
Diesen Tank habe ich also dieser Tage montiert, ebenso eine, nicht ganz korrekt passende, Einmann-Sitzbank (die originale harrt noch Ihrer Aufarbeitung) um - endlich - eine erste Probefahrt vorzunehmen.

"Muletto" bereit zur Probefahrt

Die Probefahrt offenbarte dann sofort die nächste Enttäuschung: Die Schaltkinematik der indirekten Schaltung ist derart ausgeleiert, dass es nicht möglich ist die Gänge einzulegen: Nur der vierte und fünfte Gang lassen sich einlegen. Immerhin: mit viel Drehzahl und schleifender Kupplung gelang es mir ein paar hundert Meter zu fahren.

Nächste Problemzone: Indirekte Schaltung.
Glück im Unglück: Die "Verschleißteile" der Schaltkinematik sind alle einzeln zu bekommen. Ich werde also in nächster Zeit ein neues Abenteuer beginnen und in die geheimnisvolle Welt der indirekten Schaltung eintauchen. Mal sehen welche Überraschungen dort auf mich warten.


Freitag, 5. Juni 2015

'65 Florett Schwingenlager wechseln

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, mittelschwere Dummheiten auch schon mal später. In meinem Fall handelt es sich um die Dummheit die Schwingenlager an meiner '65 Florett nicht gleich bei der Aufarbeitung 2012/13 gewechselt zu haben. Damals schien mir die Schwinge kein Spiel zu haben. Hatte sie auch nicht, die Lagerbuchsen waren eine innige Verbindung mit Dreck und verharztem Öl eingegangen.

Allerdings war diese Bindung nicht von Dauer: Nachdem sich mein Motor-Performance-Problem mittels eines größeren Zylinders aufgelöst hatte (Danke dafür an Gerd von den Kreidler Freunden Köln!) unternahm ich einige größere Testfahrten welche mein Moped schon nach kurzer Zeit mit wahrhaft dramatischem Spiel an der Schwinge quittierte. Das Hinterrad ließ gut einen Zentimeter quer zu Fahrtrichtung hin und her bewegen. Die jetzt mitlenkende Hinterachse führte zu entsprechend eierigem Fahrverhalten, außerdem begann das Hinnterrad innen am Kotflügel zu schleifen.


Also bestellte ich bei Lothar Hanke neue Buchsen und sicherheitshalber neue BSA-Keile da ich nicht davon ausging, dass die alten den Ausbau überleben würden.

Lagerbuchsen aus Kunststoff und BSA-Keile
In der "Anleitung blau" von Kreidler werden kaum fünf Zeilen für den Tausch der Schwingenlager verschwendet. Bevor ich mich also an die Arbeit machte, hegte ich die Hoffnung, dass der Tausch der Buchsen mit "rausprügeln / reinkloppen" einfach zu erledigen sei. Jetzt kommen wir aber zur göttlichen Strafe: Der Herr hat mich mit einem Moped gesegnet welches einen vertikal geteilten Kettenkasten hat. Und um die Schwingenachse auszubauen muss man die äußere Hälfte des Kettenkastens abnehmen. Und um die diese Hälfte auszubauen muss man das Hinterrad, den Ritzelträger, die Kette, die hintere Fußraste und den Stoßdämpfer demontieren. Die innere Hälfte des Kettenkasten montiert man damit automatisch auch ab. Und wenn man einmal soweit ist, kann man auch gleich die Schwinge zur Reinigung ganz raus nehmen.


Die BSA-Keile waren wider Erwarten nicht festgerostet und leißen sich relativ leicht austreiben, ein Glück, denn die Neuteile passen von Durchmesser her nicht. Das rausschlagen der Achse war schon schwieriger, gegen gezielte Schläge mit den 2kg-Hammer konnte aber auch sie nicht wiederstehen. Spätestens jetzt war klar, dass das mit dem "rausprügeln / reinkloppen" bei noch montiertem Hinterrad sowieso nicht geklappt hätte. War also doch gut dass ich das halbe Moped abbauen musste.

Von den werksseitig montierten Lagerbuchsen war wirklich nur noch klebriger Brösel übrig. Die Hülsen im Rahmen habe ich mit der Dremel-Drahbürste gereinigt.



Der Spalt im Bild oben sollte eigentlich vom Kragen der Lagerbuchse ausgefüllt sein. Die Originalteile hatten sich jedoch weitestgehend in Staub aufgelöst.
Danach wurden die neuen Buchsen entgratet, mit Fett versehen und mit sanften Schlägen des Gummihammers in den Rahmen eingesetzt.

   
Neue Lagerbuchen im Rahmen, die Nylon-Hülse unten schützt den Rahmen vor der schlackernden Kette.
Schwingenachse und Schwinge wurden gründlich gereinigt. Die Achse wurde mit Stahlwolle solange poliert bis sie wieder einigermaßen leichtgängig in die Bohrungen der Schwinge zu drücken war.
Der Einbau der Schwinge war recht fummelig, denn sie muss über mit sanfter Gewalt auf die vorstehen Kragen der Lagebuchsen gedrückt werden. Ich habe die Schwinge zunächst auf der Auspuffseite mittels eines Dorns (Knarrenverlängerung) fixiert und dann auf der anderen Seite mittels des Gummihammers in Position geschlagen. Klingt einfacher als es war, nach dem dritten oder vierten Versuch hat's dann aber geklappt. Zum Schluß habe ich die Achse wieder in den Rahmen kloppt (auf richtige Positon der Kerben für die Keile achten!) Und dann natürlich -Strafe muss sein - Hinterrad, Kettenschutz usw. wieder montieren.

Insgesamt hat die ganze Aktion ca. sechs Stunden gedauert. Nach über einem Jahr Pause hat Schrauberei ziemlich viel Spaß gemacht. Vor allem die anschließende Probefahrt zum Kreidlerstammtisch mit eklantant verbessertem Fahrverhalten hat mich davon überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Hätte ich mal 2013 schon machen sollen.


Sonntag, 26. April 2015

Tuff Rider


Nach über einem Jahr Pause (hauptsächlich beruflich bedingt) mal wieder ein kurzer Post. Das Outfit war das Kostüm für ein Theaterstück. Die Quickly durfte leider nicht mit auf die Bühne...
Ich persönlich finde, dass mir das Moped besser steht als jede Harley.

Dienstag, 15. April 2014

Aufarbeitung '71 RS >> Von Schlüsseln und Rädern.

Wie bereits erwähnt ist die Talsohle der Aufarbeitung durchschritten und ich habe begonnen neue und aufgearbeitete Teile wieder an den kopflosen Mopedtorso zu montieren. Nachfolgend eine kleine Rundreise um das Projekt.

Nach den Schlüsselresten welche ich aus den Schließzylindern von Lenkschloß und Werzeugkasten gezogen hatte ließ ich einen Nachschlüssel anfertigen. Dieser funktioniert hervorragend im Lenkschloß, aber im Werkzeugkasten versagte er seinen Dienst. Ich habe daraufhin das ganze Schloß getauscht. Der abschließbare Tankdeckel wurde außer Dienst gestellt und durch einen nicht abschließbaren ersetzt.
 

Die seltsame M10-Konstruktion an der rechten oberen Ferderbeinaufnahme wurde durch einen korrekten Bolzen ersetzt. Die Federbeine und Fußrasten wurden gereinigt. Ob die Federbeine noch "gut" sind wird sich bei Probefahrten herausstellen.

Kampf dem Frickel.
Federbein vorher/nachher

Der Bremslichtschalter war verbogen und wurde durch ein Neuteil ersetzt.

Neu / alt

In Position
Der Kennzeichenhalter war verbogen. Er wurde gerichtet und von etwas 500g Zweitakt-Straßendreck-Gemisch befreit. Die Schlussleuchte wurde gereinigt.


Die Kette wurde erneuert, die Bremsen neu belegt. Beim Belegen der Bremsen habe ich mit Befriedigung festgestellt dass ich mittlerweile ausreichend Erfahrung damit habe: es ging schnell und ohne geklemmte Finger! Es ging sogar so schnell und einfach dass ich vergessen habe die neu belegten Backen zu fotografieren.



Der Einbau des Hinterrades hingegen kommt mir immer noch wie eine Zirkusnummer vor. Das Hinterrad irgendwie am Schutzblech vorbei unters Moped schmuggeln. Dann das Rad anheben, Steckachse schon mal einstecken und Rad auf die Mitnehmergummis am Zahnkranz popeln, was mit schieben, ziehen, drücken, ruckeln und Gewaltanwendung nicht geht, dann aber, wenn man gerade nicht hinsieht von ganz allein passiert. Dabei nicht den Bremsdeckel verlieren! Dann den Bremshalter irgendwie in den viel zu kleinen Zwischenraum quälen und zwar von unten-schräg-hinten sodass sich alles verkeilt und garnichts mehr geht. Zarten Schlägen mit dem Gummihammer folgen verzweifelte Schläge bei denen sich alles in die falsche Richtung bewegt. Und gerade in dem Moment in welchem man sich schwört den ganzen Scheißhaufen gegen eine Zündapp zu tauschen, machts "klonk" und alles gleitet in Position. Dem folgt die nicht minder quälende Prozedur die Kette zu spannen. Hierbei kann man wählen ob man wahlweise das korrekte Kettenspiel einstellen, oder das Hinterrad gerade einbauen möchte. Das Ergebnis ist immer ein unbefriedigender Kompromiss. Es gibt hierfür einen ganz einfachen Trick, welcher mit wenigen Handgriffen zur korrekten Einbauposition führt, aber leider wird dieser in der Krypta des Kornwestheimer Doms unter Verschluß gehalten. Jetzt erstmal nen Kaffee!


Montag, 14. April 2014

Aufarbeitung '71 RS >> A long way round

Ich hatte (und habe) nicht vor bei der Aufarbeitung von Elfie den gleichen Aufwand zu betreiben wie bei meiner 65er Florett. Also keine Komplettdemontage, höchstens eine - wie es meinem Naturell und meinen Fähigkeiten entspricht - gründliche Reinigung. Nebst der Erneuerrung schadhafter Teile versteht sich. Mittlerweile ist mein Kleinkraftrad aber doch relativ weit "auseinander", aber ich habe die Talsohle durchschritten und habe schon begonnen Teile wieder zu montieren.

Bergfest? Talsohle?
Begonnen habe ich meinen reinigenden Rundgang (nach Abnahme von Tank und Sitzbank) auf der rechten Seite und arbeitete mich dann, Putzlappen und Waschbenzin immer im Anschlag, ums Heck herum über die linke Seite nach vorne. Dabei entstand auch eine nicht allzu lange Liste von zu ersetzenden Teilen. Das entsprechende Ersatzteilpaket von Kreidlerparts ist bereits eingetroffen.

Ein Loch ist im Tank, oh Henry.

Elfies Tank ist ein Schmuckstück. Weitestgehend beulenfrei, mit recht gut erhaltener Verchromung. Wie schon beschrieben nahm ich die Aufarbeitung durch "Rotationsschleifen" im Wäschetrockner in Angriff. Der erste Schleifgang brachte eine große Menge Roststaub zu Tage und auch ein zweiter Bearbeitungsgang veränderte das Bild im Inneren des Tanks zum Positiven. Dem sollte nun eine Behandlung mit Zirtonensäure und anschließend eine Neutralisation mittels Lauge (Geschirrspülmaschinenmittel) folgen. Beim Einfüllen der Säure jedoch musste ich zu meinem Schrecken feststellen dass der Tank undicht ist. Auf beiden Seiten an der jeweils tiefsten Stelle weist er kleine Durchrostungen auf. Leichtes Drücken und Bohren mit dem Schraubenzieher vergrößerten dies kaum stecknadelkopfgroßen Stellen zu ca. 2 x 10 mm großen Löchern. Große Frustration! Eine Blitzrecherche im Netz ergab einen Neupreis für Tanks zwischen 300 und 500 Euro. Na, danke. Ich erkundigte mich daraufhin bei einem Freund - ein in der Wolle gefärbter Oldtimer Restaurator - nach Möglichkeiten zur Abdichtung mittels Dichtmasse oder Kaltmetall. Schließlich sind die Löcher nicht sehr groß. Er riet mir ab, da diese Lösungen auf Dauer nicht dicht sind. Guter Freund der er ist, bot er mir aber an, den Tank zu schweißen. Dort ist das Schmuckstück jetzt. Über das Ergebnis wird zu berichten sein...

Außen hui, innen pfui...

Ort der Inkontinenz

Dienstag, 4. März 2014

Tank entrosten >> Auf ein Neues!

Mit Elfis Tank gehe ich in die zweite Runde zum Thema Entrostung. Wie es nicht geht kann man hier nachlesen. Diesmal habe ich mit der groben Behandlung angefangen, auch das Schleifgranulat war etwas scharfkantiger als beim letzten mal. Das Ergebnis konnte sich nach einer halben Stunde Rotation im Wäschetrockner durchaus sehen lassen. Allerdings muss noch eine zweite Behandlung folgen.


Außen gut, innen rostig!

Schleifmittel: Eine Packung Spaxschrauben.
Nein, kein Zimt. Rostpuder!
Der Benzinhahn war, wie üblich, zugesetzt, ist aber nachdem er seit mehreren Tagen in Waschbenzin eingelegt war, wieder durchgängig. Möglicherweise ist das Teil zu retten.


Für beide Themen gilt: Fortsetzung folgt!

My life on wheels III: Große Freiheit Nr. 1

  My first Mofa. Ein gewichtiges Thema. Mit fünfzehn, mitten in der Pubertät, konnte ein Mofa ein wichtiger Meilenstein in der per...